Dienstag, 6.08.2013, 7:00 Uhr. Der Schock der Nacht sitzt uns immer noch in den Knochen. Es ist kalt, immer noch ziemlich windig und der Tag begrüßt uns mit Dunstschwaden die über den Feldern liegen. Wir machen uns erst mal was Warmes zu trinken und überlegen wie es weitergehen soll. Noch so eine Nacht kann sich keine von uns beiden vorstellen. Beim Frühstück bekommen wir dann unerwartet Besuch von der Schafherde, die auf dem Deich ihre Weide hat. Neugierig kommen einige Schafe nah an den Zaun und beäugen, teilweise laut blökend, unser Treiben, bevor sie weiterziehen.
Wie beschließen in den nächsten Ort (West-Bargum) zu gehen und dort unsere Vorräte aufzustocken. Bei der letzten Dose vor West-Bargum entdecken wir eine kleine, aber feine Hütte, die sich sicher hervorragend als Unterschlupf für das Gewitter geeignet hätte, wenn wir denn davon gewusst hätten. Und so genießen wir nur kurz unseren windfreien Stopp in der kleinen Hütten, bevor wir in den Ort einwandern.
Um nicht lange suchen zu müssen, fragen wir auch gleich den ersten Hunde-Gassi-Geher dem wir begegnen, nach einem kleinen Laden oder einer Bäckerei. Der schaut uns nur verwundert an und meint: „Gibt’s hier nicht, der nächste Laden ist ca. 3 km gen Süden“- also in einer Richtung, in die wir so gar nicht wollen. Unentschlossen laufen wir weiter in den Ort und treffen eine junge Familie, die wir sicherheitshalber auch noch fragen, diesmal aber, wie weit denn der nächste Laden in östlicher Richtung entfernt ist. Aber auch hier nur der Hinweis, 3 km südlich, ansonsten erst mal lange nichts.
Unsere leichte Verzweiflung sieht man uns wohl mehr als deutlich an, denn spontan boten uns die Beiden an uns ein paar Brote zu machen. Wir nehmen das Angebot dankend an und finden uns wenige Minuten später bei Kaffee und Tee, an einem gedeckten Frühstückstisch im Hause der Großfamilie wieder. Nach dem zweiten, deutlich reichhaltigeren Frühstück, werden wir auch noch zum Supermarkt gefahren, in dem wir, geläutert von der Einsamkeit Nordfrieslands, unsere Vorräte großzügig auffüllen.
Gestärkt ziehen wir gegen Mittag dann weiter auf unserem Trail „Zwischen den Meeren“. Unser „Abstecher“ in den Ort führte dazu, dass der Bonus für Abschnitt 2 nur durch einen großen Umweg zu erreichen wäre, so dass wir uns entschieden, diesen auszulassen und direkt weiter dem Trail zu folgen. Wir kommen gut voran, sehen Schafe, Kühe, ein Hängebauchschwein und viele weite Felder, zwischen denen uns endlos erscheinende Straßen den Weg weisen.
Als unsere Füße verstärkt anfangen sich über die ungewohnte Belastung zu beschweren, machen wir uns auf die Suche nach einer etwas sturmsichereren Unterkunft. Viele Höfe gibt es nicht entlang unserer Strecke und so fragen wir einfach beim nächstbesten Hof nach einem möglichen Stellplatz für unser Zelt.
Überaus herzlich und freundlich wird unsere eher ungewöhnliche Anfrage aufgenommen und so gibt es diesen Abend neben einem schönen Zeltplätzchen mit Unterstellmöglichkeit bei Sturmgefahr, auch noch eine warme Dusche. Nach dem Abendessen werden wir auch noch auf ein Gläschen Wein (für mich gab’s sogar ne Bionade) eingeladen und so genießen wir unseren sicheren Hafen für diese Nacht, warm eingekuschelt in der zusätzlichen Decke, es soll kalt werden.