Bei der chirurgischen Aufklärung wurde ich darauf hingewiesen, dass die OP Wunde vom Stoma nicht komplett genäht wird, sondern der obere Teil offen heilen soll. Das hätte ein geringeres Risiko für Wundinfektionen. Klang alles sinnvoll und nicht dramatisch. Ganz im Gegensatz zu dem, was sich mir am 2. Tag nach der OP für ein Bild bot, als das erste Mal der Verband gewechselt wurde.

Die Anzahl der Kompressen, die der Arzt aus der Wunde hervorzog, erinnerte mich an einen Zaubertrick, bei dem eine nicht enden wollende Reihe bunter Tücher aus einer kleinen Tasche gezogen wird. Am Ende prangte ein 3,5 cm langes, 1 cm breites und ganze 3 cm tiefes Loch in meinem Bauch.

Das war definitiv nicht das, was ich in der Aufklärung verstanden hatte. Umso schlimmer, als ich nun nachfragte und nachlas, was diese sogenannte sekundäre Wundheilung eigentlich bedeutet:

  • Eine deutlich längere Wundheilung (4 Wochen bis das Loch halbwegs zugewachsen ist und 8 Wochen bis der Bauch wirklich wieder stabil ist – wenn alles gut geht)
  • Die Narben werden nicht so stabil wie bei der primären Wundheilung (Naht)
  • Die Narbe selbst sind meist deutlich größer und auffälliger
  • Die Wunde muss jeden Tag (von mir) versorgt werden (Spülen, Einlage legen, zukleben)

Wenn es nach den Ärzten im Krankenhaus geht, soll man die Wunde einfach mit der Dusche jeden Tag ein paar Minuten ausspülen. Ob das wirklich zu empfehlen ist, darüber streiten die Experten, Duschwasser ist zum einen natürlich nicht steril und je nach Art und Pflege der Wasserversorgungsanlage nicht unbedingt so keimarm, wie man sich das für so eine Wunde wünscht.

Durch die Krebstherapie ist mein Immunsystem jedoch geschwächt und ich bin somit für Infektionen jeglicher Art anfälliger. Da schließt sich eine Duschspülung solch einer Wunde eigentlich aus. Warum wurde das nicht berücksichtigt, als die OP geplant wurde?

Zusätzlich muss ich mich noch länger schonen und kann nicht aktiv werden. Das ist geraubte Lebensqualität. Ich bin echt sauer und ärgere mich, nicht noch mehr nachgefragt zu haben, aber wenn man gar nicht weiß, worauf man achten und was man nachfragen sollte, dann wird’s auch echt schwer.

Ich bin mir auch nicht sicher, ob die Aussage zur Wundinfektion wirklich stimmt. Denn während Infektionen bei einer primären Wundheilung oft schon im Krankenhaus auffallen, bzw. die Behandlung dann oft im KH erfolgt, werden Probleme der sekundären Wundheilung auf die Schultern der Haus- und Fachärzte abgewälzt. Davon bekommen die Ärzte im KH ja gar nichts mehr mit.

Liebe Ärzte, ich würde mir wünschen, dass es eine verständlichere Aufklärung über Vor- UND Nachteile der geplanten OP und der dazugehörigen Wundheilung gibt. Damit Patienten wirklich verstehen, was auf sie zukommt und sie vielleicht auch die Möglichkeit haben, sich für eine andere Methode als die vorgeschlagene zu entscheiden. Denn am Ende ist es mein Körper, über den hier entschieden wird, und da würde ich gerne an der Entscheidung zur Behandlung ernsthaft beteiligt werden.

Wunsch

Wundpflege

Den ersten Wechsel daheim habe ich nicht mit der Dusche gemacht, sondern habe die Wunde wie im KH mit steriler NaCl-Lösung ausgewaschen, um sie dann neu zu versorgen (Einlegen einer sterilen Kompresse IN die Wunde und abdecken der Wunde mit einem Packen Kompressen).

Am nächsten Tag bin ich zu meinem Hausarzt, um die weitere Behandlung zu besprechen. Er stimmte mir zu, dass duschen – insbesondere bei mir – keine gute Idee ist und schlug stattdessen für den Anfang eine Wundbehandlung mit Alginat vor.

Alginat ist ein Polysaccharid, das von Braunalgen gebildet wird. In die Wunde eingebracht, hält es ein ideal feuchtes Wundmilieu aufrecht und kann Bakterien und Zelltrümmer einschließen und Wundsekret aufnehmen und nach außen weiterleiten. Die Heilung wird damit unterstützt – so das Versprechen.

Für den äußeren Rand der Wunde, die nicht mit dem Alginat bedeckt werden soll, kommt UrgoTül zum Einsatz. Ein Poylestergitter mit gelbildender Matrix, die ebenfalls ein feuchtes Wundmilieu schafft und nicht mit der Wunde verklebt.

Obendrauf kommt ein Packen Kompressen, der das Wundsekret, dass ja fleißig produziert wird, aufnimmt und fixiert wird das Ganze mit einem großen Klebeband.

Wechseln muss ich dieses Konstrukt trotzdem vorerst jeden Tag, da aktuell noch viel Wundsekret produziert wird. Im Laufe der Zeit wird das hoffentlich weniger und die Wunde kleiner und dann können wir vielleicht auf eine etwas weniger aufwändige Versorgung umstellen.

Und auch gespült werden muss trotzdem, aber mit einer antiseptischen Lösung. Ob das wirklich notwendig ist, weiß ich nicht, aber ich will nichts riskieren und grundsätzlich spricht auch nichts dagegen, außer vielleicht die Tatsache, dass diese Lösung nicht von der Krankenkasse bezahlt wird. Zum Glück muss ich mir darüber aber aktuell keinen Kopf machen und kann die Kosten dafür übernehmen.

Der Wechsel selbst ist etwas zeitintensiv, da das Alginat (beim Einlegen erinnert es ein wenig an flexibles Filz) in der Wunde zu einem Gel wird, das ich mit einer Pinzette aus der Wunde holen muss. Ist ein bisschen wie Apfelmus mit Stäbchen essen. Dann spülen, einwirken lassen und wieder Alginat reinstopfen. Das habe ich mir irgendwie anders vorgestellt.

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Von Janni