Nach einer schweren Erkrankung soll die Anschlussheilbehandlung (AHB) oder auch Anschlussrehabilitation den PatientInnen wieder an das tägliche Leben und den Arbeitsalltag (wenn noch berufstätig), gewöhnen. Daher soll die AHB im allgemeinen direkt an die Akutphase der Behandlung anschließen, spätestens jedoch nach 14 Tagen. So die Theorie.

In meinem Fall war da ja noch die Stoma-Rückverlegung, und wegen dieser dann wiederum eine verlängerte Wundheilung, wegen der die Ärztin einer AHB frühesten 4 Woche nach Entlassung zustimmte. Hinzu kommt, dass Plätze in den Reha-Kliniken begehrt sind und so bekam ich erst 6 Wochen nach Entlassung aus dem KH einen Platz in der onkologischen Hamm Klinik Bellevue in Bad Soden.

Die AHB dauert im allgemeinen 3 Wochen. Am Ankunftstag wurde eine Anamnese gemacht, allerdings hatte ich schon 4 Wochen vorher einen langen Fragebogen ausgefüllt, der hier berücksichtigt wurde, auch wenn er nicht mehr unbedingt aktuell war. Daraufhin wählte die Ärztin (mehr oder weniger) passende Anwendungen aus. Und hier liegt ein bisschen die Crux.

Ich hatte mich für eine rein onkologische Rehaeinrichtung entschieden, da hier alle PatientInnen die grundlegend gleiche Erkrankung haben. Allerdings liegt der Altersdurchschnitt bei Krebserkrankungen deutlich Ü60 und entsprechend sind die Rehaeinrichtungen auch eher auf diese Altersgruppe eingestellt.

Zum einen war ich das „Küken“ während der Zeit und zum anderen waren die Anwendungen für mich eher weniger geeignet. Zu jung und immer noch zu fit für das Angebot. Erschwerend kam hinzu, dass ich mit meiner noch offenen OP-Wunde nur „Bauchdeckenschonende“ Übungen machen durfte. Also alles in der easy Versionen, mit denen, die mit Rollator rumgeschlurft sind.

Also bin ich am ersten Wochenende mit dem Rad knapp 70 km nach FFM am Main gefahren. 😀

Neben den Anwendungen (u.a. Gymnastik, Drums Alive, Yoga, Massage, Physio, Psychoonkologie) gab es noch jede Menge Vorträge zu verschiedensten Themen rund um Reha, Krebs, Ernährung und Psychologie. Das meiste war für mich Wiederholung, die Psychologie-Themen waren zum Teil sehr erhellend, auch um das eigene Erleben richtig einordnen zu können.

Etwas problematisch war das Essen. Nach der Rückverlegung waren meine Intoleranzen ja wieder voll dabei und das wurde für mein Empfinden sehr kompliziert gehandhabt. Statt die Allergene und Zutaten auf den Schildern (die ja sowieso über jedem Essen hingen) auszuweisen, musste ich bei jedem Essen jemanden fragen. Also bei jedem Salat, bei jedem Aufstrich, bei jeder Beilage etc. Und in 95% der Fragen konnte diese nicht direkt beantwortet werden, sondern es musste erst eine Kollegin gefragt, oder gar in der Küche angerufen werden. Für mich ist das ständige Fragen super unangenehm und außerdem hat das oft auch gedauert, da steht man dann wie bestellt und nicht abgeholt dumm herum. Ich hab das mehrmals angesprochen und auch als Anregung formuliert, ich glaube aber nicht, dass es was gebracht hat.

Der Höhepunkt kam dann am Freitag in meiner zweiten Wochen. Der Hals fing an zu kratzen. In der Pflegeabteilung habe ich nach einem Coronatest gefragt, aber den bekam ich nicht – gäbe keine Vorschrift mehr dazu. Maske bräuchte ich auch nicht und überhaupt, muss ich ja auch mein Immunsystem mal wieder stärken.

Ich habe mir dann privat einen Test besorgt und dieser war positiv. Nun hieß es aber, ich solle eine Maske tragen. Ja wie jetzt, wo kommt denn diese „Vorschrift“ plötzlich her?

In den nächsten Tagen wurden es immer mehr PatientInnen, die mit Maske in der Klinik herumliefen. Wir kamen natürlich ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass einige PatientInnen nach Abweisung im Pflegebereich selbst keinen Test gemacht haben und keine Maske trugen und somit immer mehr MitpatientInnen ansteckten. In einer onkologischen Klinik, in der viele Patienten aufgrund von kürzlichen, oder zum Teil sogar noch laufenden Chemotherapien ein geschwächtes Immunsystem haben, ein sehr fragliches Vorgehen.

Einige Anwendungen habe ich dann nicht mehr mitgemacht – mit Maske war mir das zu blöd – und bin stattdessen jeden Tag eine Runde im Wald hinter der Klinik spazieren gegangen. Das war neben dem Austausch mit den anderen PatientInnen und den psychologischen Gesprächen die beste Therapie.

Eine Verlängerung auf 4 Wochen, aufgrund der Coronainfektion, wäre möglich gewesen, einige PatientInnen habe das gemacht, aber für mich habe ich da keinen Sinn drin gesehen. Zu viel hat einfach nicht gepasst.

Ich habe grundsätzlich die Möglichkeit innerhalb eines Jahres eine weitere Reha zu machen. Ob ich einen Antrag dazu stelle, weiß ich noch nicht, wenn dann aber nur für eine Reha-Klinik, die sich auf jüngere KrebspatientInnen spezialisiert hat. Wobei ich da bisher auch nur eine Klinik in NRW gefunden habe.

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Von Janni